Regenwasser · Veröffentlicht am 27. September 2026

Wenn Regenwasser nach einem Starkregen über den Boden läuft statt zu versickern, ist das nicht nur ein ästhetisches Problem – es belastet auch die Kanalisation, verschwendet wertvolles Grundwasser und kann im schlimmsten Fall zu Überschwemmungsschäden führen. Versickerungsanlagen lösen dieses Problem elegant: Sie leiten Regenwasser gezielt in den Boden und stärken den lokalen Wasserkreislauf. Doch wann sind sie Pflicht, welche Varianten gibt es, und was kostet das alles?

Warum Versickerung so wichtig ist

In natürlichen Böden versickert ein Großteil des Regenwassers direkt vor Ort. Auf versiegelten Flächen – Asphalt, Beton, Pflaster – funktioniert das nicht mehr. Das Wasser läuft oberflächlich ab und landet im Kanal. Das hat mehrere Nachteile:

  • Kanalüberlastung: Bei Starkregen können Kanäle überlasten, was zu Überflutungen führt
  • Grundwasserabsenkung: Wenn weniger Wasser versickert, wird weniger Grundwasser neu gebildet
  • Wärmeinseleffekt: Trockene, versiegelte Flächen heizen sich stärker auf
  • Gebühren: Versiegelte Flächen werden über die Niederschlagswassergebühr kostenpflichtig

Versickerungsanlagen kehren dieses Problem um: Das Regenwasser bleibt auf dem Grundstück, wird gebremst und dem Boden übergeben.

Wann ist eine Versickerungsanlage Pflicht?

Bei Neubauten

In vielen Bundesländern ist die dezentrale Regenwasserversickerung bei Neubauten Pflicht, wenn der Boden geeignet ist. Die Grundlage dafür findet sich in den Landeswassergesetzen:

  • Bayern (BayWG): Regenwasser soll auf dem Grundstück versickert werden, soweit dies zumutbar und technisch möglich ist
  • Baden-Württemberg (WG BW): Ähnliche Pflicht, die Gemeinden können konkrete Vorgaben machen
  • NRW (LWG NRW): Explizite Versickerungspflicht für Neubaugebiete, in vielen Bebauungsplänen festgeschrieben
  • Sachsen, Thüringen, Brandenburg: Ähnliche Regelungen, häufig in Bebauungsplänen verankert

Wichtig: Der Bebauungsplan der Gemeinde geht oft noch weiter als das Landesrecht. Bevor gebaut wird, sollte geprüft werden, ob und wie Regenwasser auf dem Grundstück zu behandeln ist.

Bei nachträglicher Versiegelung

Wer in einem bestehenden Garten neue versiegelte Flächen schafft – etwa eine Pflasterung für Parkplatz oder Terasse, eine Garage, ein Gewächshaus – kann durch kommunale Satzungen zur Versickerung dieser Fläche verpflichtet werden. Das ist in vielen Gemeinden der Fall und findet sich in der jeweiligen Entwässerungssatzung.

Bei Abkopplung vom Kanal

In einigen Gemeinden werden Grundstückseigentümer aktiv aufgefordert, ihre Regenwasserleitung vom Kanal abzukoppeln und stattdessen zu versickern. Manchmal sind sogar finanzielle Anreize damit verbunden (Förderprogramme, Gebührenbefreiung).

Der Boden entscheidet: Versickerungseignung prüfen

Nicht jeder Boden ist für die Versickerung geeignet. Entscheidend ist die Wasserdurchlässigkeit (Kf-Wert). Die DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft) gibt als Empfehlung einen Kf-Wert von mindestens 1 × 10⁻⁶ m/s an.

Böden mit gutem Versickerungsvermögen:

  • Sandige Böden, Kiesböden
  • Lehmig-sandige Böden

Problematische Böden:

  • Schwere Tonböden (schlecht oder gar nicht versickernd)
  • Böden mit hohem Grundwasserstand (weniger als 1 m Abstand zwischen Versickerungsanlage und Grundwasserspiegel)
  • Stark kontaminierte Böden

Bodengutachten oder einfacher Test?

Für größere Versickerungsanlagen (ab ca. 20 m² Dachfläche) empfiehlt sich ein Bodengutachten durch einen Sachverständigen (ca. 500–1.500 €). Für kleine Anlagen kann ein einfacher Kurzzeit-Infiltrationstest ausreichen: Man gräbt ein Loch, füllt es mit Wasser und misst, wie schnell es versickert.

Als Faustregel: Wenn 10 Liter Wasser im frisch ausgehobenen Loch (30 cm tief, 30 cm Durchmesser) innerhalb von 30 Minuten vollständig versickert sind, ist der Boden grundsätzlich geeignet.

Die vier wichtigsten Versickerungsvarianten

1. Flächenversickerung

Das Prinzip: Regenwasser wird über eine wassergebundene oder begrünte Fläche geführt, die direkt versickert.

Das können sein:

  • Rasenflächen, die als Versickerungsfläche dienen
  • Wasserdurchlässiges Pflaster (Rasengittersteine, Splittbett-Pflaster)
  • Kiesstreifen zwischen Betonplatten

Vorteile: Günstig, dezentral, ästhetisch integrierbar
Nachteile: Große Flächen nötig, funktioniert nur bei durchlässigen Böden, kein Pufferspeicher

Kosten: Versickerungspflaster 25–60 €/m², Rasengittersteine 8–20 €/m²

2. Muldenversickerung

Eine Versickerungsmulde (auch Sickerrasen oder Versickerungsrasen) ist eine flache, begrünte Vertiefung im Gelände, die als Puffer dient. Regenwasser wird hier gesammelt, gespeichert und versickert langsam.

Vorteile: Günstig in der Herstellung, gute Pufferwirkung, ökologisch wertvoll (Lebensraum für Insekten)
Nachteile: Platzbedarf, muss regelmäßig gemäht werden, kann bei schlechten Böden überlasten

Kosten: 500–2.000 € je nach Größe, inkl. Erdarbeiten und Bepflanzung

Dimensionierung als Faustregel: Die Muldenfläche sollte ca. 10–15 % der angeschlossenen versiegelten Fläche betragen.

3. Mulden-Rigolen-System

Die Kombination aus Mulde und unterirdischer Rigole (perforiertes Rohr im Kiesbett) gilt als eine der robustesten Versickerungslösungen für private Grundstücke.

Die Rigole ist ein unterirdisches Kiesbett mit einem perforierten Rohr in der Mitte. Regenwasser fließt in das Rohr und von dort ins Kiesbett, wo es gespeichert und langsam versickert wird.

Vorteile: Großes Speichervolumen auf kleinem Raum, unsichtbar, robuste Funktion
Nachteile: Teurer in der Anlage, bei Verstopfung schwer zu reinigen

Kosten: 1.500–5.000 € je nach Länge und Dimension

Typische Dimensionierung: Für 100 m² Dachfläche wird eine Rigole von ca. 8–12 m Länge benötigt (Richtwert, abhängig vom Boden).

4. Sickerschacht

Ein Sickerschacht ist ein runder Schacht aus Beton oder Kunststoff mit Schlitzen oder Löchern im unteren Bereich. Regenwasser fließt von oben ein und versickert seitlich und nach unten.

Vorteile: Sehr platzsparend, einfach zu installieren, günstig in der Anschaffung
Nachteile: Funktioniert nur bei guten Böden, kann durch Feinsand verlanden, nicht für große Flächen geeignet

Kosten: 800–2.500 € inkl. Einbau

Geeignet für: Kleine Flächen (bis ca. 50 m² Anschluss), gute sandige Böden

Versickerung und Regenwassernutzung kombinieren

Versickerung und Regenwassernutzung müssen kein Entweder-oder sein. Die optimale Lösung für viele Gärten ist eine Kombination: Das Regenwasser wird zunächst in einer Zisterne gespeichert und für Garten oder Haus genutzt. Der Überlauf der Zisterne wird in eine Versickerungsanlage geführt.

So profitiert man dreifach:

  1. Kostenloses Gartenwasser aus der Zisterne
  2. Entlastung der Kanalisation durch die Versickerung
  3. Mögliche Reduzierung der Niederschlagswassergebühr

Für diese Kombination eignet sich ein Mulden-Rigolen-System als Überlaufpuffer besonders gut: Bei leerer Zisterne läuft das Wasser direkt in die Rigole; bei gefüllter Zisterne erst in die Zisterne, dann in die Rigole.

Genehmigung und rechtliche Anforderungen

Ist eine Genehmigung nötig?

Das Versickern von unbelastetem Regenwasser von Wohngrundstücken ist in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei, sofern:

  • Keine Kontamination des Regenwassers vorliegt (kein Wasser von Industrie- oder Gewerbeflächen)
  • Der Grundwasserspiegel mehr als 1 Meter unter dem Versickerungsniveau liegt
  • Das Grundstück nicht in einem Wasserschutzgebiet liegt

In Wasserschutzgebieten gelten deutlich strengere Regeln – hier ist meistens eine Genehmigung der Unteren Wasserbehörde erforderlich.

Anmeldepflicht

Auch wenn keine Genehmigung nötig ist, schreiben manche Bundesländer und Kommunen eine Anzeige der Versickerungsanlage vor. Das ist aber meist eine reine Formalie ohne Ablehnungsrisiko.

DWA-A 138: Der technische Standard

Wer professionell plant, orientiert sich am Arbeitsblatt DWA-A 138 (Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser). Es enthält Berechnungsverfahren, Anforderungen an Bodenuntersuchungen und Checklisten für die Planung.

Für einfache Anlagen auf privaten Wohngrundstücken reicht oft das vereinfachte Berechnungsverfahren, das sich mit Taschenrechner oder kostenlosen Online-Rechnern durchführen lässt.

Kosten und Wirtschaftlichkeit

Gesamtkostenübersicht

Anlage Für Fläche (ca.) Investitionskosten
Versickerungspflaster (50 m²) 50 m² 1.250–3.000 €
Versickerungsmulde 100–300 m² 800–3.000 €
Sickerschacht bis 50 m² 800–2.500 €
Rohrrigole (10 m) 100–150 m² 1.500–4.000 €
Mulden-Rigolen-System 200–400 m² 2.500–7.000 €

Was spart eine Versickerungsanlage?

Der Hauptvorteil finanzieller Art liegt in der Reduzierung der Niederschlagswassergebühr. Diese beträgt in vielen Kommunen 0,50–1,50 € pro m² versiegelter Fläche und Jahr.

Beispielrechnung: Für ein Grundstück mit 150 m² Dach und 50 m² Pflasterhof (200 m² Gesamtfläche) bei einer Gebühr von 1,00 €/m² fallen 200 € pro Jahr an. Wer die gesamte Fläche abkoppelt, spart diese 200 €/Jahr – eine Investition von 3.000 € hätte sich nach 15 Jahren amortisiert (ohne Zinsen).

Hinzu kommen eventuelle Fördermittel: Viele Kommunen und Bundesländer fördern die Anlage von Versickerungsanlagen mit 10–50 % Zuschuss.

Förderprogramme

Mögliche Förderquellen:

  • Kommunale Förderprogramme (am häufigsten, direkt beim Stadtentwässerungsbetrieb erfragen)
  • KfW-Förderprogramme (bei Kombination mit energetischer Sanierung)
  • Landesförderprogramme (z. B. Bayern, NRW haben eigene Regenwasser-Förderprogramme)
  • Bundesförderung effiziente Gebäude (bei Neubau)

Planung und Umsetzung: Schritt für Schritt

  1. Bodentest durchführen: Einfachen Infiltrationstest oder Gutachten einholen
  2. Fläche berechnen: Welche versiegelten Flächen sollen angeschlossen werden?
  3. Variante wählen: Mulde, Rigole oder Schacht? Abhängig von Platz, Boden und Budget
  4. Behörde kontaktieren: Anzeigepflicht prüfen, Förderung erfragen
  5. Planer oder Fachbetrieb beauftragen: Bei größeren Anlagen spart Fachplanung bares Geld
  6. Einbau: Muss bei Rigolen und Sickerschächten durch Fachbetrieb erfolgen (Erdarbeiten)
  7. Dokumentation: Anlage dokumentieren (für Gebührenreduzierung nötig)

Fazit: Versickerungsanlage lohnt sich

Eine Versickerungsanlage ist eine Investition, die sich auf mehreren Ebenen auszahlt: weniger Abwassergebühren, mehr Grundwasserneubildung, geringeres Überschwemmungsrisiko und ein ökologisch wertvollerer Garten. Ob Pflicht oder nicht – wer neu baut oder große Flächen versiegelt, sollte Versickerung von Anfang an mitdenken. Und wer bestehende versiegelte Flächen nachrüsten möchte: Oft sind die Kosten geringer als erwartet, und viele Kommunen bieten attraktive Fördermittel.

Hinweis: Mit Sternchen (*) markierte Links sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis nicht.